Mit seinem Adventskonzert füllte der NKG-Männerchor die Stiftskirche bis auf den letzten Platz

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Von der Renaissance bis in Soul- und Gospelgefilde ging die musikalische Reise beim Adventskonzert des NKG-Männerchors in der bis auf den letzten Platz gefüllten Stiftskirche am Samstagabend. Foto: Peter Lahr

Mosbach. So voll wie sonst nur an Weihnachten war die Stiftskirche am Samstagabend. Bis auf den buchstäblich allerletzten Platz gefüllt hatten sich die Reihen für das Adventskonzert des NKG-Männerchors. „Wir sind überwältigt, dass so viele gekommen sind“, freute sich Dirigent Christian Roos. Im Mittelpunkt stünden dieses Jahr bewusst keine Weihnachtslieder, sondern alte adventliche Musik. Die ausgewählten Stücke seien liturgisch in der Vorweihnachtszeit verankert.

Mit Georg Böhms (1661-1733) „Praeludium und Fuge C-Dur“ startete Bezirkskantor Bernhard Monninger. Kraftvoll und festlich durchströmten die Orgeltöne das Kirchenschiff. Zwei gemeinsam gesungene Choräle flankierten das Konzert. Zwischen „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ und „Macht hoch die Tür“ verorteten die Sänger – unter ihnen auch Mosbachs Bürgermeister Michael Keilbach – ihre abwechslungsreiche Reise durch die Jahrhunderte und Musikstile.

Den Ausgangspunkt bildete die Zeit der Renaissance. Sowohl Thomas Tallis (1510-1585) „If ye love me“ als auch Tomás Luis de Victorias (1548-1611) „Domine non sum dignus“ vertonten Bibelstellen. Hier war es „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten“. Dort die Worte des Hauptmanns an Jesus: „Herr, ich bin nicht würdig, dass ihr einkehrt bei mir.“ Dank seiner hohen Stimmkultur gelang dem Chor eine feine, ausgewogene Polyphonie.

Den Sprung in die Romantik markierte Josef G. Rheinbergers (1839-1901) „Ave Maria, gelobet seist Du, Maria“. Das gesungene Gebet begleiteten die Mosbacher Kirchenglocken. Gleichwohl gelang den Sängern ein fein ziseliertes Vokalstück. Zwei Sätze von Christof Roos ließen es fast doch schon weihnachtlich werden. „Gelobet seist Du, Jesu Christ“ verwandelte die Einzelstimmen der Sänger zu einem großen, organisch wirkenden Klangkörper. Nuancenreich abgestimmte Dynamik sorgte bei „Tochter Zion“ für überraschende Hörerlebnisse. Bernhard Monninger paraphrasierte das Lied mittels Alexandre Guilmants (1837-1911) „Paraphrase sur un choeur de ‚Judas Machabé’ de Georg Friedrich Händel“. Breit angelegt, entwickelte sich aus der Melodie ein Feuerwerk, das die Register durchquerte – bis hin zu einem finalen, recht zierlich ausfallenden Glockenspiel.

„Einen musikalischen Schnitt“ kündete Christian Roos an: „Die drei sehr alten Adventschoräle haben alle ihre 500 Jahre auf dem Buckel“, erklärte er. Und fügte hinzu: „Am Text haben wir nichts verändert.“ Klassisch erklang die erste Strophe von „O Heiland, reiß die Himmel auf“. Doch dann schnippte der Dirigent mit den Finger, Benedikt Keil aus Sulzbach ließ das Schlagzeug schnauben und der NKG Männerchor verwandelte sich in „Soul-Brothers“. Die „Söhne Mosbachs“ galoppierten ungestüm los, doch am Keyboard holte Christian Roos sie immer wieder ein. „O, Yeah!“. Zum „Chillen“ unterm Adventskranz lud die Ballade „Maria durch ein Dornwald ging“ ein. Irgendwo im Grenzgebiet zwischen „Take Five“ und „The Doors“ steuerte „Es kommt ein Schiff geladen“ über rockige Wellenkämme. Ganz entspannt ging Friedemann Buhls Satz des Gospels „Swing low“ die Sache an. Dem plüschigen Relaxsound folgte „Halleluja, salvation and glory“, ein kontinuierlich den Druck erhöhender Dialog zwischen Klang und Rhythmus. Die Botschaft von „Jesus on the Mainline“, übersetzte der Dirigent mit „Jesus ist immer am Telefon. Die Leitung ist immer frei.“ Folgerichtig skandierte Solist Daniel Frey „Call him up“, während der Chor erwiderte: „And tell him what You want.“ Das Traditional begeisterte die Zuhörer derart, dass sie bald im Takt mitklatschten. Apropos. Das Schweigen nach den ersten drei Stücken kommentierte Christian Roos folgendermaßen: „Ich hab vorher vergessen zu sagen: Sie dürfen klatschen.“ Dies tat das Publikum denn auch ausgiebig.